ECOVIN Jahrgangsbericht 2017

Oppenheim, 26.10.2017. Die Traubenernte ist abgeschlossen. Die Mitglieder im Bundesverband der ökologisch arbeitenden Weingüter Deutschlands, ECOVIN, sind in der letzten Oktoberwoche fertig geworden. Die Mosel setzt hier gewöhnlich den Schlussakzent, so auch in diesem Jahr. Die Mengen sind im Durchschnitt aller deutschen Anbaugebiete um einiges geringer ausgefallen als im langjährigen Mittel. Die Qualitäten überzeugen jedoch.

Das Weinjahr 2017 startete teilweise noch mit der Eisweinlese. Am 7. Januar erntete zum Beispiel Reinhard Schäfer im Bottwartal, Württemberg, 100 Liter Trollinger Eiswein des Jahres 2016 bei -10° C mit einem Mostgewicht von 180° Oechsle. Bereits zwei Monate später, Mitte März, herrschte schon fast Freibadwetter in weiten Teilen der deutschen Anbaugebiete. Dies forcierte einen recht frühen und rasanten Austrieb der Reben, welche zum Teil dem Frost am 19./20. April zum Opfer fielen. Diese kalten Nächte haben neben dem Weinbau auch den Obst- und Gemüsebau hart getroffen, was erklärt, warum die diesjährige Traubenernte so klein ausfällt. Die Lese begann schon sehr früh, Ende August, und war mancherorts bereits Ende September abgeschlossen.  

An der Ahr hielten sich die Frostschäden in Grenzen. Verluste gab es aber auch hier. Austriebsschädlinge wie Rombenspanner und Erdraupen stellten die ökologisch wirtschaftenden Winzer vor Herausforderungen. Probleme mit Pilzkrankheiten waren an der Ahr eher untergeordnet, allerdings breitete sich die Botrytis im Verlauf der Reifung der Trauben aus, was zu leichten Verlusten führte. Der Leseverlauf war daher recht hektisch, eine mehrfache Auslese der Trauben war notwendig und führte dazu, dass die Menge etwa 30 % unter dem normalen Ertrag lag.

In vielen Teilen Badens war der Herbst wider allen Erwartungen nach dem Frost-Schock Ende April zufriedenstellend hinsichtlich Menge und Qualität. Über die Regionen gesehen liegt die Menge nur leicht unter dem langjährigen Betriebsdurchschnitt, was natürlich auch dem niedrigen Ertragsniveau auf Bioflächen generell geschuldet ist. Im mittleren Markgräflerland mussten die Winzer teils erhebliche Frostschäden hinnehmen. Insbesondere der für die Region typische Gutedel lag weit unter dem Durchschnitt. Vom Kaiserstuhl wurde ein ausgezeichneter Herbst gemeldet, mit hohen, fast schon überdurchschnittlichen Erträgen und sehr guten Zuckergehalten.

Auch in Württemberg war eine schnelle Ernte angesagt. Vor allem die frühreifen roten Rebsorten wie Acolon, Regent oder Dornfelder liefen Gefahr, den Fruchtfliegen zum Opfer zu fallen und mussten zügig gelesen werden. Die Frostschäden in weiten Teilen Württembergs führten dazu, dass sich die übrig gebliebene Energie in den Trauben konzentrierte, die noch gelesen werden konnten. So berichtet Andreas Stutz aus Heilbronn von einem Mostgewicht von 108° Oechsle beim Muscaris. Es gab aber auch Fraßschäden durch Wildschweine, Rehe, Vögel und Mäuse, welche aufgrund der Frostschäden im Obst und Gemüsebau wenig weitere Nahrungsangebote vorfanden.

Der rheinhessische Sommer war durchwachsen und geprägt von zahlreichen Wetterkapriolen. Besonders dramatisch wirken sich Starkregenereignisse und Hagel aus, wenn die Beeren beginnen weich zu werden. Dies führte neben dem Frost Ende April zu Reduktionen der Erntemenge zwischen 10 % und 90 %. „Dort, wo die Trauben ohne Schäden geerntet werden konnten, präsentiert sich ein Topjahrgang mit hoher Reife und knackiger Säure. Also ein perfekter Body-Mass-Index! Der Unterschied in diesem Jahr zwischen Freud und Leid ist groß“ so Erik Riffel, Vorsitzender der rheinhessischen ECOVIN Mitglieder.

An der Nahe und in der Pfalz präsentiert sich ein ähnliches Bild. Ein schneller Herbst mit unterdurchschnittlichen Mengen, aber tollen Qualitäten. Sebastian Rook vom Weingut Brühler Hof in Volxheim freut sich bereits jetzt schon bei der Probe der Jungweine der Sorten der Burgunderfamilie oder Rieslinge: „Bei entsprechender Kulturführung konnten diese perfekt am Stock ausreifen und lassen jetzt schon die Herzen höher schlagen.“

Auch aus Franken und von der Mosel werden nach Selektion sehr gute bis hervorragende Qualitäten gemeldet. Der Weinfreund kann sich auf fruchtige, aromatisch frische Weine freuen, allerdings wird es sicherlich moderate Preissteigerungen geben. An Herausforderungen mangelt es den Biowinzern in Zeiten des Klimawandels nicht. Um diese zu meistern, bedarf es auch fairer Wertschätzung.

Foto: Cam Soergel

 

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